Coaching im Wettkampf

Beim Jugendfußball erlebt man oftmals die unterschiedlichsten Trainiertypen und dementsprechend variiert auch das Coachingverhalten stark.

Leider trifft man immer wieder den überwiegend lautstark und negativ kritisch agierenden Vertreter seiner Zunft. Auf der Suche nach den Gründen dafür, kommen verschiedene Denkmodelle in Betracht.
Coaching Teaser

Nehmen wir als Beispiel einmal den „Brülltypen“, bei dem der Gedanke aufkommt, man hätte ihn eben aus der Fankurve eines Bundesligaclubs entliehen und nun an den Rand eines Jugendfußballfeldes gestellt. Möglicherweise hat er es so gelernt und ggf. selbst als Jugendspieler erfahren. Fußball muss laut sein, Fehler müssen lautstark aufgedeckt werden, Schiedsrichterentscheidungen müssen bewertet und ggf. reklamiert werden.

Manchmal kann es aber auch schlicht die Verzweiflung an der mangelnden Leistung seines Teams sein. So will er vielleicht zumindest den Zuschauern demonstrieren, dass wenigstens er das Spiel verstanden habe und der Misserfolg nur am Unvermögen seiner Jungs liegt, die seine Ideen einfach nicht umsetzen können. Diese Trainer brüllen ihre Mannschaft förmlich auf bestimmte Positionen und zu Handlungsweisen, die seinen Ideen entspringen.

Die Tragweite einer unglücklichen Formulierung und der möglicherweise negativen Folgen sind ihm oftmals gar nicht bewusst.

Anweisungen dieser Kategorie sind z.B.:

  • „Streng dich mal an. Das war ja gar nichts“
  • „Was hab ich dir beigebracht?“
  • „Hör auf mit dem Getrickse…“
  • „Schläfst du? Du musst mehr Leistung zeigen.“

Derartige Zurufe beinhalten keine geeignete Botschaft, die der Spieler direkt umsetzen könnte.
Vielmehr droht die Gefahr der Einschüchterung und des Verlustes von kreativen Momenten.

Wem gehört die Bühne?

Für viele Trainer ist das Coaching dann aber auch die einzige Möglichkeit des Arbeitsnachweises gegenüber Beobachtern. Findet der größte Anteil der Arbeit doch aus Sicht eines Unbeteiligten im Hintergrund statt, so ist der Wettkampf die „Bühne“ des Trainers, der glaubt sich präsentieren zu müssen.

Dieses Phänomen kann man sogar bei Bundesligatrainern beobachten, die in einem Stadion mit 60.000 lautstark anfeuernden Zuschauern wild gestikulierend am Spielfeldrand stehen. Man kann sich ausrechnen wie hoch die Quote der Anweisungen ist, die ihr Ziel erreichen und umgesetzt werden können. Der TV-Zuschauer sieht jedoch einen engagierten Coach, der voll bei der Sache ist und sein Geld wert zu sein scheint.

Um beim Vergleich mit der Bühne zu bleiben, so sollte der Jugendtrainer aus meiner Sicht maximal als "Souffleur" fungieren.


Wenn nicht im Kinderfußball, wann dann…

Kinder sollen sich ausprobieren. Sie sollen Kreativität entwickeln und Erfahrungen sammeln. Fehler müssen gestattet sein. Unerwünschte Aktionen müssen nicht unmittelbar mit Worten geahndet werden. Unter Umständen wird damit sogar ein zögerliches Verhalten konditioniert und der Entwicklung eher geschadet.

In der Regel lernen die Nachwuchskicker sehr schnell, welche Techniken wann zum Erfolg führen und wann sie besser nicht eingesetzt werden sollten. Führt das Verhalten eines „Superdribblers“ zu Unmut im Team oder wird der Spielfluss gefährdet, so gibt es genug Maßnahmen und Übungsformen, um diesem gegenzusteuern, ohne den Spieler seiner Kreativität zu berauben. Spielformen wie FUNiño, kleine Spiele mit Kontaktbegrenzungen und auch ein einfacher Positionswechsel können kleine Wunder bewirken.


Mit Weitblick und Geduld zum Erfolg
Der Jugendtrainer in einer besonderen Rolle

Im Jugendfußball hat die Traineraufgabe, neben dem Erreichen sportlicher Ziele, jedoch noch eine ganz andere, sehr wichtige, Funktion. Kinder und auch Jugendliche lernen stets. Sie imitieren Verhalten und benötigen deshalb geeignete Vorbilder. Diese sollten Respekt im Umgang mit allen Beteiligten (Mannschaftsmitgliedern, Schiedsrichtern, Gegner, Zuschauern, etc.) vorleben. Sie sollten Disziplin vermitteln und auf dieser Basis die sportliche Ausbildung fördern.
Wenn mit einer positiven Ausrichtung gemeinsame Ziele gesetzt und Fehler gemeinsam konstruktiv analysiert werden, dann ist eine Leistungssteigerung mittelfristig beinahe garantiert.

Durch besonnene Analyse und positive Bestärkung zum nachhaltigen Lernen

Anweisungen im Spielverlauf sollten nach unserem Verständnis..

  • stets positiven Charakter haben und bestärken,
  • überwiegend zu Motivationszwecken erfolgen,
  • Fehler, wenn unbedingt notwendig, lediglich punktuell und knapp korrigieren,
  • umgesetzte Trainingsziele unmittelbar loben,
  • niemals den Spielverlauf und die Konzentration der Kinder stören,
  • niemals die Kreativität der Kinder einschränken.

Gelehrt wird im Training!

Auch wenn Fehler gern direkt in der Situation angesprochen werden, so kann dies aus verschiedenen Gründen kontraproduktiv sein. Das Instrument der Videoanalyse ist da mit Sicherheit die bessere Wahl und auch für Kinder- und Jugendmannschaften schon ein geeignetes und gutes Mittel.

Die Vorbereitung erfolgt im Training, die erste Nachbereitung sollte nah am Erlebten unmittelbar nach dem Wettkampf erfolgen.

Beispiele für Fragestellungen im Rahmen einer Nachbereitung wären dann:

„Wie kam es zu der Niederlage? In welchem Bereich müssen wir uns verbessern?
Was können wir verbessern? Was müssen wir verstärkt Trainieren?“

So haben alle Mannschaftsmitglieder diese Ideen im Kopf und verstehen den Sinn des Trainings. Sie haben schließlich daran mitgearbeitet.

Das Motto sollte sein:
Gemeinsam erreichen wir unsere Ziele.
Team

Es ist ein bekannter Kreislauf. 

Hat man Spaß an einer Sache, so ist der Erfolg nicht weit. Ist man erfolgreich, so hat man Spaß.

Eine positive Einstellung und ein gesundes Selbstvertrauen ist geeignet Kräfte freizusetzen und
die Leistung zu verbessern.


Leider gibt es keinen Schalter

Nun ist es leicht gesagt, man möge eine positive Grundstimmung annehmen. Es darf jedoch auch nicht vernachlässigt werden, dass es bis dahin ein längerer Prozess sein kann. Sind die Kinder doch heute von vielerlei Faktoren beeinflusst. Enge Zeitpläne durch verschieden Freizeitaktivitäten, schulischer Leistungsdruck und auch nicht zuletzt die Erwartungen ehrgeiziger Eltern. Die Kinder kommen quasi mit einem „vollen Rucksack“ zum Training. Aufgabe des Coaches ist es nun, diesen zu leeren, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und ihn behutsam und systematisch im Sinne der gemeinschaftlichen Ausrichtung zu füllen.

Liebe Kollegen, lasst uns unseren Nachwuchs stärken.


Ein aufschlussreicher Artikel des DFB zu diesem Thema:

http://www.dfb.de/trainer/artikel/im-wettkampf-richtig-coachen-2214/


Oliver Beck

 

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